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20. Januar 2008

 Nokia

Mein neues Handy ist vor kurzem gekommen, das Nokia 6555. Weil dieses Modell weggeht wie geschnitten Brot, war es nur mit Geduld zu kriegen. In der Zwischenzeit hatte sich diese Geschichte mit den Entlassungen in Bochum zugetragen und mein erster Gedanke war auch: 'Wenn ich das vorher gewusst hätte... hätt ich vielleicht ein Siemens genommen.'

Aber nach einigen Tagen des Nachdenkens und nach den vielen Kommentaren, die ich von allen Seiten gehört hatte, gewann doch die Sachlichkeit.

Denn Nokia ist ein Global Player. Das wussten auch die Politiker, die ihm 88 Millionen Subventionen bewilligt haben. In den Jahren, die das Werk besteht, hat es etwa das Doppelte an Gewerbesteuern an die Gemeinde bezahlt, so dass man am Ende doch von einem Gewinn sprechen muss. Auch wenn die Beschäftigten sicherlich nicht finden, dass sie viel gewonnen haben.

Wenn wir alle mit den Boykotts beginnen - wo soll das enden? Und anfangen? VW hat ein Werk in Belgien geschlossen, da ist auch nicht gerade der Freudentaumel ausgebrochen. Wenn jetzt die Belgier VW boykottieren, und alle anderen auch alle jene Firmen, die irgendwo Standorte schließen - da findet doch am Ende kein Mensch mehr durch!

Man könnte einen Unterschied machen bei der Frage, ob jemand nur um des größeren Profits willen in den Osten zieht oder weil er kurz vor der Pleite steht - aber (anders als im Fall Nokia) könnte manches Unternehmen sich vielleicht auch arm rechnen. Da gibt's ja so viele Tricks. Die winden sich schon 'raus.

Was mich bei der Geschichte wirklich ankotzt, ist das Politiker-Geheul. Seit 25 Jahren kennen sie keine andere Meinung, als dass uns der Neoliberalismus die beste aller Welten beschert. Löhne 'runter, Hartz IV, Rente mit 67 - wenn das Volk nur ordentlich darbt, dann wird der Aufschwung schon kommen. Gleichzeitig wird den Großkonzernen das Geld nur so in den Rachen gestopft. Schröder hat verfügt, dass ein Unternehmen für seine Verlagerung ins
Ausland noch Geld dazu bekommt.  Dieses Geld stammt aus Steuern, also von uns, den Steuerzahlern. Die SPD hat auch verfügt, dass Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmen nicht versteuert werden müssen.  Also: Die Heuschrecken leben in der besten aller Welten. Aber für unsereins soll es bei der CDU nicht mal Mindestlöhne geben.

Und nun verhält Nokia sich genau so, wie es sich für ein Unternehmen im Neoliberalismus einfach gehört, und da wirft ein Minister gleich sein Handy beiseite und alle schreien "Verrat".

Tja. Genau das wollten sie doch die ganze Zeit!

 

12. Februar 2008

Ole

Wir kommen gerade vom Einkaufen bei real. Auf dem Weg dahin sieht man ungefähr einen halben Kilometer lang ein Schild hinter dem anderen mit dem Portrait von Ole von Beust. Da fragt man sich doch, was soll diese Geldverschwendung? Ob es wohl einen einzigen Menschen gibt, der Ole wählt, weil der so oft am Straßenrand zu sehen ist? Auch wenn er besonders nett lächelt?

Ich kann ohnehin nicht recht begreifen, dass die CDU wieder gewählt wurde vor vier Jahren. Von Beust hatte einen großen Sympathievorsprung, falls sich jemand erinnert, weil er sich von seinem Koalitionspartner Ronald Barnabas Schill nicht erpressen ließ. Der hatte ihm gesagt, er würde an die Öffentlichkeit bringen, dass Ole auf Jungs steht. (Auf erwachsene Jungs, nicht dass jetzt Missverständnisse entstehen.) Da warf der den Schill 'raus, und das war gut so. Ich fand das auch richtig. Aber gar nicht richtig fand ich, dass er sich überhaupt erst mit diesem "Richter Gnadenlos" eingelassen hat! Aus reiner Machtgier, um an die Regierung zu kommen, koalierte die Hamburger CDU mit diesem Typen, dem man mit einem Mindestmaß an Menschenkenntnis nicht über den Weg getraut hätte. Schon allein diese verrückten Urteile, die er als Richter verhängt hat! Da fragte man sich, ob der Mann alle beisammen hatte. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich sah, wie viele meiner Kollegen dem Rechtspopulisten auf den Leim gingen. Als ich erwähnte, dass ich Schill nicht gewählt hab, guckten die mich gar empört an.

Näää, Rechtspopulisten sind ja echt nix für mich. Und schon dieses "ungefestigte Aussehen", wie mein Bruder es in Worte fasste. Dass Schill am Ende nichts zu Stande brachte, sich in der Halbwelt 'rumtrieb und am Ende nach Südamerika abhaute, war nun wirklich keine Überraschung. Anstatt den Bürgermeister für Schills Rausschmiss zu wählen, hätte man ihn für so eine Koalition in die Wüste schicken müssen. Na, ich hab das ja versucht, gehörte aber zur Minderheit.

 

18. Februar 2008

Gier

Hier ist ein, wie ich finde, sehr interessanter und lesenswerter link zu dem Thema "Gier" im Zusammenhang mit Zumwinkel und Konsorten. Spricht mir aus der Seele!

http://www.nachdenkseiten.de/?p=2989

Leider hab ich noch nicht herausgefunden, ob man einen funktionierenden Link in diese Zusatzseiten einfügen kann. Bis es vielleicht so weit ist, müsst Ihr leider die Adresse kopieren und oben in den Browser einfügen.

 

 26. Februar 2008

Einfluss der Springer-Presse

Eben in den Nachdenkseiten gefunden:

http://de.youtube.co/watch?v=-dQqfCp6DIo

Es geht um die "Medienbarriere", wie die Springer-Presse zum Wahlhelfer für Ole von Beust wurde. Albrecht Müller schreibt dazu:

Wenn die SPD und die Linke insgesamt diese [Medienbarriere] nicht zum großen Thema macht, dann ist sie hoffnungslos verloren.

Wahrscheinlich hab ich mich deshalb an Schill erinnert, weil ich die Springer-Presse nicht lese. Die ist wohl auch des Rätsels Lösung, weshalb die Hamburger einerseits über alles Mögliche meckern (Verkauf der Krankenhäuser an Asklepios, die Schulpolitik, Abschaffung des Sozialtickets und so weiter) aber gleichzeitig sagen, sie sind mit der Politik von Beusts zufrieden. Also ich bin das nicht!

Besonders "schön" ist ja auch der Spruch aus wirtschaftfreundlicher Kehle, die SPD sei machtversessen. Das hat jemand neulich im TV gesagt, ich weiß nicht mehr, wer das war. Wenn man sieht, wie verfilzt Wirtschaft und CDU sind! (Na gut, seit etlichen Jahren mischt die SPD auch mit, deshalb verliert sie ja ihre Wähler und Mitglieder.) Aber am machtversessensten war schon immer die CDU. Ich erinnere mich noch an das Jahr 1969, als wir Willy gewählt hatten. Was für ein Gegeifer und Gekeife bei der CDU: "Und wir werden kämpfen und kämpfen, bis wir die Macht zurück haben!"

Dann hatten wir ein paar Jahre lang eine SPD-Regierung, die bald ihren üblichen Fehler machte und ihre wahre Klientel vergaß und sich der Wirtschaft anbiederte. Am Ende wirkte sie völlig desolat. Dann gewann Kohl die Wahl. Und man hatte den Eindruck, die Sozis gäben geradezu erleichtert Regierung und Verantwortung ab.

Und was hörte man jetzt von der CDU? Geradezu süffisant: "Tja! Das ist eben Demokratie. Die SPD soll das nun mal akzeptieren. Kein Grund, jetzt zu meckern." Wie gesagt, kein solches Wort war von der SPD gekommen. Offenbar konnte die CDU sich gar nicht vorstellen, dass jemand nicht geiferte beim Machtwechsel. - Überhaupt, Macht. Nach dem Grundgesetz hat das Volk die Macht, die Parteien helfen nur bei der Ausführung des Wählerwillens.

Alles in Vergessenheit geraten.

 

Jörges und Gustlof

Allzu oft bin ich mit Jörges, Hans-Ulrich, nicht d'accord. Aber hier

http://www.stern.de/politik/ausland/612713.html?id=612713

hat er mal etwas Lesenswertes geschrieben. (Trotz des Wortes 'ausland' im link geht es ums Inland.) Nur einen Satz muss man sich wegdenken: Die alte Rentenformel sei nicht finanzierbar gewesen. Das ist das übliche neoliberale Gewäsch, gegen das es gute Argumente gibt. Wer sich dafür interessiert:

http://www.nachdenkseiten.de/?s=Rentenformel&Submit.x=26&Submit.y=17

Noch etwas Interessantes hab ich heute in den NachDenkSeiten gefunden. Es geht um den Film über die Gustloff, dessen zweiten Teil es heut Abend im Fernsehen gibt. Der Film entstand auf Anregung der CDU-Parteiführung und erfindet einen Verräter, der als Funker Sabotage begeht und ein böser Linker ist. Ich hab den ersten Teil noch nicht gesehen, weil mein LG arbeiten muss und wir den vollständigen Film am Wochenende gemeinsam gucken wollen, aber soweit mein LG weiß, war der Untergang die Schuld des Kapitäns. Er sollte küstennah fahren, damit sich kein U-Boot unter das Schiff schieben konnte, und trotzdem fuhr er quer über die Ostsee. Der Film aber bedient alle möglichen Ressentiments rassistischer und politischer Art.

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57173

Mit einer der “aufwendigsten und teuersten” TV-Produktionen erinnert das deutsche Fernsehen an die “größte Schiffskatastrophe der Geschichte”.
Für die Großproduktion wurde die Rolle eines “Verräters” erfunden, der als Funker Sabotage begeht und die 9.000 Passagiere dem Tod ausliefert - im Auftrag “von kommunistischen Emigranten”. Wie der ZDF-Fachberater vermutet, hat das “Nationalkomitee Freies Deutschland” das Massensterben verursacht. Die TV- Kolportage entstand bei der Auftragsfirma UFA, deren gleichnamiger NS-Vorläufer die Ausrottung von “Juden und Bolschewisten” propagierte. Wie Frau Steinbach offenbarte, ist die Zehn-Millionen-Produktion des ZDF auf Anregung der CDU-Parteiführung entstanden. “Treibende Kraft” sei der CDU/CSU- Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, gewesen. Der CDU- Parlamentarier bestätigt, er habe den Regisseur “auf die Idee angestoßen
(... einmal etwas über Flucht und Vertreibung zu machen.” Für diesen Einsatz erhält Kauder in der kommenden Woche eine Medaille des BdV.

 

 30. Juni 2008

Volker Pispers

...in den "Mitternachtsspitzen" über die SPD und über schizophrene Umfrage-Ergebnisse. Dauert etwa acht Minuten. Und ist bedenkenswert!

http://www.youtube.com/watch?v=oqvsoze7w8g

 

3. September 2008

Bild hetzt, und...

... die CSU kocht darauf ihr Wahlkampfsüppchen.  

"Wenn es um die Verbesserung der Gewinne einiger hunderttausend Aktienbesitzer geht, dann sind hohe zweistellige Milliardenbeträge kein Problem, eine leichte Verbesserung der Lebenssituation von Millionen von Armen wird jedoch für unbezahlbar erklärt."

Wieder mal ein interessanter Beitrag in den "NachDenkSeiten".

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3434

Bitte kopieren und leider selber in die Adressleiste einfügen! Es ist hochinteressant und lohnt sich!! Selbst noch in späteren Jahren!

Erst vor ein paar Tagen hab ich selber auf einer Geburtagsfeier mit angehört, auf welch fruchtbaren Boden die TV-Hetzsendung  "Gnadenlos gerecht" fällt. Einzelfälle werden dort zum Massenphänomen hochgespielt. Und die Gäste auf der Feier glaubten jedes Wort!

Zum Glück ist diese Sendung mittlerweile abgesetzt worden.

Ich selbst hab das nie gesehen. So ein Thema ist ja schon abstoßend, wenn man es nur in der Fernsehzeitung sieht.

 

 6.September 2008

Armer Hundt!

Dieter Hundt sagte der F.A.Z: "Die Politik muss einen deutlichen Hinweis erhalten, dass sie mit den Mitteln der Beitragszahler nicht nach Belieben schalten und walten kann."

Einige Arbeitgeber ziehen vor das Verfassungsgericht, weil sie die Finanzierung der Arbeitsmarktpolitik von Langzeitarbeitslosen durch Sozialbeiträge kippen wollen, weil das in diesem Jahr 5 Milliarden Euro kosten wird.

Na schön. Wer reicht denn endlich mal eine Klage vor diesem Gericht ein, weil die Beiträge der Steuerzahler dafür verschwendet werden, Banken zu retten, die sich verspekuliert haben? Das hat uns 12 Milliarden Euro gekostet. Bis jetzt.

 http://www.readers-edition.de/2008/06/05/die-lohnnebenkosten-auf-den-hundt-gekommen/

 

8. September 2008

Tschüß, SPD

Willy Brandt wäre vielleicht zur "Linken" geflüchtet!

Nicht, dass es mich überrascht hat, dass sie nun den Steinmeier zum KanzlerKandidaten gemacht haben. Das war schon länger abzusehen. Was mich immer wieder fassungslos macht, ist die dahinter stehende Dummheit.

Wer braucht denn noch eine dritte, vierte, fünfte neoliberale Partei? Wie kann eine Partei nur so sehr ihre Werte vergessen?!

Wenn heute jemand etwas sagt, was in Willy Brandts Partei eine Selbstverständlichkeit gewesen wäre, schreien alle los: "Die SPD macht 'nen Linksruck! Die Welt geht unter!!"

Ja, die gehörte mal nach links. Arbeiter und kleine Angestellte wählten die SPD. Heute werden diese Wähler von den Wirtschaftsbossen abgezockt mit  ausdrücklicher Einladung dieser - spuck! - "Arbeitnehmer-Partei". Es war nämlich Schröder, der den Heuschrecken die Steuern auf Gewinne erlassen hat, nachdem sie Firmen zerstört und Arbeitsplätze vernichtet hatten.

Dazu passt ja gut die gegenwärtige Hetzkampagne gegen Hartz-IV-Empfänger: Nachdem man sie 'rausgeworfen hat aus dem Arbeitsmarkt, sind das alles faule Säcke, die sich Leistungen erschleichen.

Die einzigen kriminellen Abzocker sind für mich die neuen Lieblinge dieser Neo-SPD, nämlich jene Wirtschaftsbosse, für die nichts anderes existiert als Riesengewinne und exorbitante Rendite-Wünsche, die keinem seriösen Geschäftsmann jemals in den Sinn gekommen wären.

Die neue Klientel wird sich erkenntlich zeigen. Ihr könnt drauf wetten, dass die Steinmeiers und Steinbrücks nach ihrer politischen Karriere schöne Posten von den Wirtschaftsbossen bekommen werden, wie bei Schröder schon geschehen.

Und wir können nichts dagegen tun, dass wir von diesen Verfassungsfeinden in die Armut getrieben werden? (In der Verfassung ist nämlich festgelegt, dass dies ein Sozialstaat ist und dass Eigentum verpflichtet.) Ich weiß auch nicht. Ein Generalstreik wäre schön, aber mit den Deutschen klappt das nicht. Und wie sollten all die Arbeitslosen auch streiken!

Man hat jetzt nur noch die Möglichkeit, die Linke zu wählen, und wenn auch nur, um der SPD zu zeigen, wo es langgeht. Vielleicht kapieren es doch ein paar von denen, die da jetzt etwas zu sagen haben. Ich glaub's zwar nicht, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Da hab ich die SPD gewählt seit 1969, und nun das!! (Nun gut, ich hab sie schon sehr oft zähneknirschend gewählt, einmal auch, um Franz-Josef Strauß als Kanzler zu verhindern, oder weil man eben immer wieder denkt, Mensch die müssen doch mal was merken...!

 

16. September 2008

 Lafontaine fordert Enteignung von Schaeffler

(dies ist eine Überschrift bei SPON heute)

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,578372,00.html

 

"Neue Provokation von Oskar Lafontaine: Der Chef der Linkspartei fordert eine radikale Änderung der Eigentumsverhältnisse in Deutschland. Große Vermögen vieler Familienunternehmen seien "grundgesetzwidrig", der fränkische Automobilzulieferer Schaeffler müsse enteignet werden."

Und weiter unten:

"Kein Mensch" könne "in seinem Leben zehn Milliarden Euro auf verfassungsgemäße Weise anhäufen", sagt Lafontaine in dem Interview. Auf diesen Betrag bezifferte der Chef der Linkspartei das Vermögen der Schaeffler-Eigentümer.

Der Schaeffler-Reichtum sei vielmehr "das Ergebnis einer fortdauernden Enteignung der Belegschaft und deren großen Beitrag zur Produktivität und Wertschöpfung". Insofern fordere er bei Lichte betrachtet nur "die Rückübereignung an die rechtmäßigen Eigentümer, nämlich an die Belegschaft.

Lafontaine warnte am Montag zudem vor den Folgen der internationalen Finanzkrise, die auch Deutschland gefährlich werden könne. "Die internationalen Finanzmärkte sind in einem Ausmaß destabilisiert, dass die ökonomischen Folgen für niemanden abschätzbar sind", sagte er in Berlin.

Wer von der alten Tante SPD enttäuscht ist und sie nicht mehr wählen mag, überlegt sich wohl, ob die Linke eine Alternative sein könnte. Manchmal wundert man sich aber doch über die eine oder andere Äußerung... Klar, Lafontaine hat völlig recht, durch ihrer Hände Arbeit kommt keiner zu einem Milliarden-Vermögen. Aber einfach so Enteignung?

Im Grunde, denkt man sich, ist es mit der Linken so, als wähle man die Partei Willy Brandts, so wie wir das in den Siebzigern taten.

 

 

 

(Und die Jüngeren: Lasst Euch nicht einreden, damals wäre etwas nicht in Ordnung gewesen! Ich lese in letzter Zeit häufiger Kritik an den Siebziger Jahren, die an den Haaren herbeigezogen ist. Damals hatten wir Hoffnung! Wenn einem ein Job nicht passte, konnte man ihn hinwerfen und sich etwas Besseres suchen, und sogar Hilfsarbeiterjobs wurden einigermaßen gut bezahlt.)

Aber das von Lafontaine wundert mich nun doch! Man kann Banken verstaatlichen. In den USA passiert das gerade, wenn auch vielleicht für begrenzte Zeit. Staatlicher Einfluss auf die Banken wäre keineswegs ein kommunistisches Übel. 

Aber ein Privatunternehmen? Weil es zu viel Profit macht?

Man muss mal abwarten, ob da noch mehr über das Thema kommt. Man kann ja nun vielleicht nicht sagen "der Spiegel lügt" so dreist und offen wie die BILD-Zeitung.  Aber der Spiegel interpretiert Fakten ganz gern mal so, dass sie ins neoliberale Weltbild passen - das lässt sich in den NachDenkSeiten gut nachlesen. Und ist oft nicht besser als eine Lüge.

Ich glaub nicht mal, dass Lafontaine so etwas in die Tat umsetzen würde. Die Macht hätte er wohl nicht, selbst wenn die Linke 40% bekäme bei der Bundestagswahl.  Als Opposition ist sie auf jeden Fall erstmal gut.

 

 16.September 2008

Das wahre Interview

Hat sich mein vager Verdacht, da würde verkürzt, bestätigt. Guckt mal dieses Video an - dauert etwa dreieinhalb Minuten. Lafontaine erwähnt, dass das Grundgesetz Enteignungen verbietet.

http://www.capital.de/politik/100014491.html

und zwar auch die Enteignung der Arbeitnehmer! 

Man kann doch mal darüber nachdenken, wer 10 Milliarden Euros erarbeitet hat.  

 

 

 

Da spricht mir mal wieder jemand aus der Seele.

Übrigens geht es hier um die gierigen Banker und andere, Marke Ackermann - keineswegs um die "Abgehängten". Wir sind ja hier nicht die Bild-Zeitung. 

Bemerkenswert ist, dass dieses Video aus dem Jahr 2004 stammt - wie wenig sich seitdem geändert hat!! Jemand schrieb als Kommentar, er hätte sich auch noch ein paar Bemerkungen über die Schmarotzerknechte, nämlich die Politiker, gewünscht. Dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings findet man etwas über Politiker bei Pispers auch, bloß an anderen Stellen.

 

 

  6. November 2008

Ypsilanti

 

Falls ich Hessinnen unter meinen Leserinnen habe: Wollt Ihr wirklich weiterhin den totalen Roland Koch haben?

Man hört von Umfrage-Ergebnissen, dass die Hessen Angst davor haben, die Linken könnten eine SPD-Landtagsregierung tolerieren.

Und die Andrea Ypsilanti hat ja soooo gelogen, na da muss man doch die CDU wählen.

Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen, und die Menschen sind ja auch verschieden. Immerhin, ich guck mir die ganze Aufregung ratlos an.

Eine Lüge ist ja eine Aussage, die man in dem vollen Bewusstsein macht, dass es eigentlich anders ist. War Ypsilantis Ankündigung, die würde niiee mit den Linken... nicht bloß eine Blödheit? Mir kam sie recht naiv vor mit der Idee, sie könnte ohne die Linken. 

Und wenn sie nun von ihren Bundespartei-Genossen, die ja eindeutig rechte Sozis sind, diese Ankündigung diktiert bekam? So: Wehe, du lässt dich mit der Linken ein?

Eine Lüge ist doch nicht, wenn man sich umentscheidet, weil sich eine Situation geändert hat. Oder jedenfalls ist es kaum der Rede wert. Wenn man an Kochs Ausrutscher denkt - pfui - der kann sich jede Unappetitlichkeit leisten, egal, Hauptsache wir haben die Ypsilanti nicht?

Wer kennt eigentlich ihr Wahlprogramm?

Dieser Artikel hier spricht mir aus dem Herzen:

 

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3574

Albrecht Müller beginnt seinen Artikel so:

Zum Verständnis der Irritation eine kleine Geschichte: Mir hilft gelegentlich ein aufgeweckter und begabter Abiturient beim Umgang mit dem Laptop. Am Tag, als die vier ehrenwerten Hessen bekannt gaben, sie könnten Andrea Ypsilanti nicht wählen, kommentierte er stöhnend: „Endlich ist die weg“. Ich war erstaunt. Aber das war keine vereinzelte Reaktion. Ähnlich kommentierten dem Sinne nach eine Reihe von Lesern der NachDenkSeiten. Sie verstanden und verstehen unsere kritische Kommentierung des Vorganges und unsere große Sympathie für den Versuch von Frau Ypsilanti nicht. Das Urteil „Wortbruch“ und die Vorwürfe „machtgeil“ und „dilettantisch“ sind offensichtlich fest verankert und zwar in einem Kreis, der wie im Falle meines Helfers weit über den Bereich des eher konservativen und neoliberalen Teils unserer Gesellschaft hinausgeht. – Es gibt auch andere Stimmen – Menschen, die wie wir das Scheitern Andrea Ypsilantis als Ergebnis nicht ihrer Fehler sondern einer massiven Kampagne der Meinungsmache und der politischen Einflussnahme sehen. Einer aus dieser Gruppe, Wolfgang Fladung, hat den Umgang mit Ypsilanti mit dem Umgang mit Obama verglichen.

 

14. November 2008

Politikerlügen

Die Überschrift kann man auch in zwei Worten schreiben: Politiker lügen.

Ich meine damit nicht jeden Hinterbänkler. Aber wenn Merkel und Steinmeier vorgeben, sie hätten mit der Finanzkrise so gar nichts zu tun, dann ist das schon mal eine dermaßen dicke Lüge, dass sich mir der Magen umdreht. Merkel rennt jetzt durch die Welt und will die Macht der Banken beschränken und so ähnlich - na, wer hat ihnen denn erst alle Möglichkeiten gegeben!! Natürlich war das auch schon Schröder. Aber es wäre längst eine Unmenge Zeit gewesen, auf dem Gebiet etwas zu tun. Stattdessen dürfen jetzt wieder die Finanz-Lobbyisten 'ran, um die Krise zu meistern. Auf Deutsch heißt das: Den Bock zum Gärtner machen.

So lange jene Politiker, die etwas zu bestimmen haben, mit der Finanzindustrie und der Wirtschaft mauscheln, so lange werden unsere Interessen, die der Wähler, unberücksichtigt bleiben. Darauf können wir aber wetten.

 

 Das gabs schon mal

Ist doch immer wieder verblüffend, wie sich die Geschichte wiederholt.

Ich hab dieses Gedicht heute in den NachDenkSeiten gefunden. Es ist von Kurt Tucholsky und wurde 1931 geschrieben: 

Die Lösung

Wenn was nicht klappt, wenn was nicht klappt,
dann wird vor allem mal nicht berappt.
Wir setzen frisch und munter
die Löhne, die Löhne herunter -
immer runter!

Wir haben bis über die Ohren
bei unsern Geschäften verloren …
Unser Geld ist in allen Welten:
Kapital und Zinsen und Zubehör.
So lassen wir denn unser großes Malheur
nur einen, nur einen entgelten:

Den, der sich nicht mehr wehren kann,
Den Angestellten, den Arbeitsmann;
den Hund, den Moskau verhetzte,
dem nehmen wir nun das Letzte.
Arbeiterblut muß man keltern.
Wir sparen an den Gehältern -
immer runter!

Unsre Inserate sind nur noch ein Hohn.
Was braucht denn auch die deutsche Nation
sich Hemden und Stiefel zu kaufen?
Soll sie doch barfuß laufen!
Wir haben im Schädel nur ein Wort:
Export! Export!

Was braucht ihr eignen Hausstand?
Unsre Kunden wohnen im Ausland!
Für euch gibts keine Waren.
Für euch heißts: sparen! sparen!
Nicht wahr, ein richtiger Kapitalist
hat verdient, als es gut gegangen ist.
Er hat einen guten Magen,
Wir mußten das Risiko tragen …
Wir geben das Risiko traurig und schlapp
inzwischen in der Garderobe ab.

Was macht man mit Arbeitermassen?
Entlassen! Entlassen! Entlassen!
Wir haben die Lösung gefunden:
Krieg den eignen Kunden!
Dieweil der deutsche Kapitalist
Gemüt hat und Exportkaufmann ist.
Wußten Sie das nicht schon früher -?
Gott segne die Wirtschaftsverführer!

Kurt Tucholsky. Gesammelte Werke 9 - 1931. Rowohlt Taschenbuch GmbH.

 2 Kommentare:

Susel: (3.12.08  20:39)

Hach, klasse! Ich bin ja so ein Tucholsky-Fan. Schön, wenn ihn auch andere mögen!

Lieben Gruß, Susel
 

 Nebelwind (5.12.08  19:47)

Ja, Susel, der alte Kurt ist immer wieder aktuell.
Wer hätte das in den Siebziger Jahren geglaubt, dass wir da mal wieder hinkommen....

 

 

  25.12.2008

Meine Weihnachtsbotschaft *gg*

Galileo Galilei:

Wer die Wahrheit nicht kennt, der ist nur ein Dummkopf. Wer die Wahrheit kennt und sie Lüge nennt, ist ein Verbrecher! 

Fragt man sich doch:

Kennen unsere Politiker, die Kanzlerin und der Bundesköhler die Wahrheit?

Ich höre von ihnen, dass dieses Land auf einem guten Weg sei. Dass die Reformen der letzten 10 Jahre uns gut vorbereitet hätten, so dass wir die kommende kleine Wirtschaftskrise leicht überstehen werden. Alles bestens.

Kennen sie die Wahrheit wirklich nicht? Dass die Verarmung so vieler Menschen dazu führt, dass der Binnenmarkt die ausbleibenden Exporterlöse nicht wird auffangen können?

Die Verarmung ist politisch gewollt, durch Lohnzurückhaltung, Rentenkürzungen und Hartz-Gesetze auf den Weg gebracht. Und immer noch stecken diese Leute den Kopf in den Sand und behaupten, ihre Maßnahmen zur Verarmung hätten dazu geführt, dass wir "gut aufgestellt" sind.

Es ist noch längst nicht aller Tage Abend. Ich hab ja die Hoffnung, dass vielleicht schon im neuen Jahr immer mehr Menschen erkennen, wie sehr sie betrogen wurden, wie fatal die Anbetung der Finanzmärkte war und wie tief unsere Politiker darin verstrickt sind. Wie verlogen es von denen ist, jetzt so zu reden, als wären sie total überrascht von der Blase und den Machenschaften der Finanzjongleure und als hätten sie perhauptnix damit zu tun.

Dieses verlogene Pack!

Und nicht die geringste Einsicht! "Wir sind auf einem guten Weg." Ja, hier ist alles in Ordnung. Alles in der Vergangenheit war richtig. Ich weiß nicht, ob ich heulen, schreien oder kotzen soll, wenn ich diese labernden Fratzen im TV sehe. Eine der schlimmsten davon ist jetzt 'Politiker des Jahres'! Oder ist das Satire? Will es heißen, Politiker sind Holzköpfe, Kapitalistenknechte und Lügner und der da ist der Größte?

Früher, wenn ich so über vergangene Revolutionen las, dachte ich immer - na, sooo hätte man die Ausbeuter ja nun auch nicht behandeln müssen. Sie gleich an Bäumen und Laternenpfählen aufhängen oder auf's Schafott und so. Es sind ja immer mehr von denen da, als man plattmachen kann, und nach ein paar Jahren haben die eh wieder Oberwasser.

Die Wut der Menschen war aber so groß, dass sie sich einfach abreagieren mussten. Sie fühlten sich so betrogen, ausgebeutet und verhöhnt, dass sich die Gefühle explosionsartig Luft verschafften.

Und zu meinem Schrecken merke ich, dass mein Verständnis für die damaligen Revolutionäre steigt.

Zwar finde ich immer noch, dass es ziemlich sinnlos ist, sich da ein paar herauszusuchen und sie ins Jenseits zu befördern. Aber dem einen oder anderen mal so richtig was mit dem Knüppel an den Hinterkopf... aber das Denkvermögen würde bei denen wohl doch nicht gesteigert. Also was soll's.

Aber ich kann sie jetzt verstehen, unsere Altvorderen... ;-)

 

27.12.2008

 Neue Rede des Bundesköhler:

http://www.jjahnke.net/rede.html

Wenn Köhler das gesagt hätte, hätt ich mich vorgestern nicht so aufregen müssen 8-)    

Roberto de Lapuente von ad sinistram schreibt mir so oft aus der Seele! Und diesmal auch wieder. Ein Zitat: 

"Es reicht nicht, Köhlers Weihnachtsansprache als weiteren Beweis seiner Abgehobenheit zu bewerten - man muß diese arglistige Täuschung, dieses Beschwören einer Einheitsfront zur Behebung einer Krise, für den der Großteil der Menschen wenig bis gar nichts dafür kann, dieses Schönen der Mißstände, man muß dies persönlich nehmen; muß sich in seinem Verstand beleidigt fühlen, weil es dieser derart untalentierte Sparkassendirektor wagt, in dieser unerträglich plumpen Art und Weise vorzusprechen. Was Köhler seinen "lieben Landsleuten" zu Weihnachten geschenkt hat, war ein Affront, war ein Angriff auf all jene, die nicht auf dem "guten Fundament" bauen dürfen, weil sie in selbiges miteingegossen wurden, weil sie darin erstarrt und bewegungsunfähig eingelassen wurden, weil sie zum Stück Fundament gemacht wurden, auf dem andere,

bessergestellte, reichere Kreise ihr widerliches Geschäft weiterführen können."

Mein Link auf ad sinistram (links unten) hat den Nachteil, dass man immer den Beitrag sieht, der an dem Tag erschien, an dem ich die Seite verlinkt habe. Nun kann ich das nicht jeden Tag aktualisieren. Man muss oben auf "Der Blog" klicken, dann kommt der jeweils aktuelle Eintrag.

Ich lese dann die von ad sinistram verlinkten Blogs alle von oben nach unten herunter und dazu die Nachdenkseiten, dann weiß ich, dass ich nicht ganz allein bin mit meinem Unbehagen an den Zuständen.

3 Kommentare zu diesem Beitrag:

Roberto  J. De Lapuente (27.12.08  12:49) http://ad-sinistram.blogspot.com/

An anderer Stelle - bei ad sinistram - schreibst Du, wie ich finde, Dich etwas schlecht verkaufend: "Ich hatte mich vorgestern in meinem Blog über diese Rede aufgeregt, aber leider nicht in so treffenden Worten."

Aber das finde ich nicht, Du hast treffende Worte benutzt, Worte auf die ich verzichtet habe, die aber deswegen nicht falsch wären. Ja, es ist ein verlogenes Pack, ein Pack mit welchem man im Fall der Fälle nur schwer, vielleicht gar nicht, Mitleid haben könnte.

Aber das Pack hat auch viel gelernt, hat seine historischen Hausaufgaben gemacht. Es wird nicht mehr gegröhlt und mit dem Finger herumgedeutelt, das übernehmen heute im vorauseilendem Gehorsam solche Unternehmen, die wir Medien nennen - heute sind sie lieb und nett, fein gekleidet, lächeln sanft und tun so, als haben sie eine ordentliche Portion Vernunft verschluckt... jetzt müssen nur noch all jene ihre Hausaufgaben machen, die von solchen feinen Brüdern an der Nase herumgeführt werden. Die Machthaber haben nur ihre Masche geändert, nicht aber ihre niederträchtigen Ziele.

PS: Vielen Dank für den Blogbeitrag, der sich meinem Artikel widmet.

 

 Manfred (8.1.09  01:08) http://so-zi-al.myblog.de/

Letztlich sind unsere Blogbeiträge Hinweise darauf, wer als Erstes an die Wand gestellt wird, wenn die Revolution kommt. Hoffen wir auf die Historiker der Zukunft, die eines Tages dieses verrückte Zeitalter analysieren und eine große Übereinstimmung mit dem Resultat derer, die an die Wand gestellt wurden, als die Revolution kam, finden werden!

 

 nebelwind selber: (12.1.09  10:51)

  Ach, das seh ich nicht so schwarz, Manfred. Eine Revolution muss eben von UNS kommen und nicht von den Rechten. Lass doch die Regierung

noch länger die Reichen unterstützen, vielleicht klickt das dann in einigen Köpfen.

 

7.1.2009

 

Überraschung!

Roberto de Lapuente hat mir einen Kommentar geschrieben!! (Unter die "Weihnachtsbotschaft" vom 25.12.)

Ich bin total von den Socken! Jetzt darf ich dieses Blog niemals löschen!

Die Welt wird ihn nicht gar so gut kennen, aber unter Bloggern, die sich für Politik interessieren, ist der Roberto doch eine Berühmtheit. Mir und vielen anderen würde es sehr fehlen, wenn er keine klugen Kommentare zum politischen Geschehen mehr schriebe.

Selbst wenn ich in seltenen Fällen mal nicht ganz so mit ihm übereinstimme, sind seine Überlegungen doch immer gut durchdacht.

Er muss sogar mein Blog über Google gesucht haben, denn ich hatte bei meinem Kommentar in "ad sinistram" keine URL angegeben. Aus Feigheit nicht: In einem anderen Blog ["Fragmente eines Ungenannten"] hab ich das mal gemacht, und dann schossen die Zahlen meiner Blogbesucher schlagartig in ungeahnte Höhen... und ich kriegte einen Heidenschreck. Das bin ich nicht gewöhnt.  *schnatter* Wo ich so unbeachtet in meiner Häkeldeckchen-Ecke auch mal ein grobes Wort verliere... über Politiker nur, aber immerhin.

 

7.1.2009

Gaza

Ich sagte im vorigen Beitrag, dass ich in seltenen Fällen nicht ganz so mit ad sinistram übereinstimme.

Beim gegenwärtigen Gaza-Krieg zum Beispiel stehe ich nicht so bedingungslos auf der Seite der Palästinenser, sondern eher zwischen beiden Parteien. Ich kann nicht vergessen, wie die arabische Seite von Anfang an davon besessen war, Israel "ins Meer zu werfen", wie sie dreimal einen Krieg begann, wie im vorigen Jahr ein Palästinenser auf offener Straße erschossen wurde, weil er Verständnis für die israelische Position bekundet hatte... Eine Gesellschaft, in der immer nur "abknallen" die Antwort auf Meinungsverschiedenheiten ist, die gefällt mir einfach nicht. In Israel gibt es Unterstützer-Organisationen für die Palästinenser, ohne dass ihre Mitglieder erschossen werden.

Ich finde, dass Israel schwere politische Fehler gemacht hat und immer noch macht. Der Konflikt hätte längst entschärft sein können (zum Beispiel, indem es auf Angebote der gemäßigten Teile der Hamas

eingegangen wäre). Man weiß ja, das Ganze hat jetzt auch mit dem Wahlkampf zu tun und so weiter. Es macht mich auch traurig, wenn so viele Zivilisten umkommen, die sich diese Situation nun wirklich nicht gewünscht haben.

Aber warum versteckt sich die Hamas zwischen Zivilisten? Ist das nicht reiner Zynismus - dann kann sie um so lauter über zivile Opfer klagen?

Und dieser Hamas-Mensch, der da laut klagt über getötete Kinder, aber jubelt, wenn israelische Kinder durch Selbstmord-Attentäter umgebracht werden? Da kommt mir wirklich der kalte Kaffee hoch.

Nee, so ganz mag ich mich da nicht auf die eine oder andere Seite schlagen. Aber das muss ja jeder selbst wissen. Darüber streiten mag ich mich nicht.  

 

 7.1.2009

In der "Handarbeitsabteilung" hab ich über mein neues Buch "Knitting for Anachists" berichtet und auch gleich ein bisschen über Anarchie geschrieben. Das Thema geht aber noch weiter:

Die erwähnten Wobblies, das ist eine lustige Geschichte: Ein chinesischer Gleisarbeiter sprach sehr akzentreiches Englisch, und sein "I doubleyou doubleyou" klang wie "I wobble wobble", was sich anhörte wie, ich wabble wabble. Darüber mussten die anderen anarchistischen Arbeiter so lachen, dass sie sich fortan die Wobblies nannten. Wabbelig waren sie aber nun gar nicht.

Ein sehr berühmter skandalöser Prozess gegen zwei Anarchisten war der gegen Sacco und Vanzetti, deren Namen ja vielen bekannt sind, ohne dass die Leute sagen könnten, wer genau das eigentlich war.

Es waren zwei Italiener, die nach Amerika auswanderten und sich dort der anarchistischen Arbeiterbewegung anschlossen. Sie wurden wegen eines angeblichen doppelten Raubmordes hingerichtet, aber einiges spricht dafür, dass dies ein politisch motivierter Justizmord war. (Man kann sich bei Wikipedia weiter informieren.)

Diese Idee hat den Regierungen damals große Sorgen bereitet. Ich würde sagen, das Leitmotiv der Anarchisten ist: "Ich will weder befehlen noch gehorchen", und das in aller Konsequenz ausgeführt. Die Spießer haben sofort behauptet, dass man so gar nicht leben kann, alle würden sich sofort gegenseitig umbringen und berauben.

Tja, eine Frage des Menschenbildes. ;-)

Der Anarchismus war Teil der sozialistischen Bewegung wie auch die Marxisten, aber Marx und Bakunin waren große Antagonisten. Der Unterschied war, dass der Anarchist Bakunin nicht an Marxens "Diktatur

des Proletariats" glaubte. Er und seine Anhänger waren überzeugt davon, dass sich eine Diktatur nicht irgendwann selber auflöst, sondern sich im Gegenteil mit allen Mitteln an der Macht zu halten versucht. So bekommt man auch wieder einen Unterdrückerstaat, nur dass er sich dann sozialistisch nennt.

Ich würd mal sagen, er hatte völlig Recht!

Und dass die Marxisten rechthaberisch waren und keine andere Meinung neben sich gelten ließen, sieht man daran, dass die Anarchisten schon gleich aus der Sozialistischen Internationale ausgeschlossen wurden.

Anarchismus hat übrigens nicht das Geringste mit Attentaten zu tun! Und schon gar nicht mit der RAF, die sich eher den gängigen kommunistischen Lehren zurechnete. Ich hab mich damals, in den Siebzigern, immerzu darüber geärgert, dass die Terroristen als "Anarchisten" bezeichnet wurden. Völliger Quatsch war das.

Es gab eine Gruppe unter den Anarchisten des Neunzehnten Jahrhunderts, die Attentate verübten. Sie nannten ihr Tun "Propaganda der Tat" und wurden von 99,9% der Anarchisten abgelehnt. Nur - wer keine Befehlsstruktur hat, der kann auch niemandem etwas verbieten, ihn etwa aus der Organisation ausschließen. So etwas kann es zwangsläufig nicht geben, denn An-archie bedeutet ja "ohne Herrschaft". So musste diese extrem friedliche Gruppe sich vorwerfen lassen, etwas mit Mördern zu tun zu haben. Zu deren Ehre sei immerhin gesagt, dass sie sich ihre Opfer sehr sorgfältig aussuchten und darauf achteten, keine "Kollateralschäden" zu verursachen, also Unbeteiligte zu verletzen.

Trotzdem haben diese Leute der Idee schwer geschadet. Und für die Herrschenden war das ja ideal, so konnten sie eine Lehre diskreditieren, die ihnen gar nicht passte. 

 

 12.1.2009

Uns' Angela und der Lärm

"Ich werde nicht auf die hören, die am lautesten schreien" verkündete das Angela vor kurzem im Zusammenhang mit der Finanzkrise und Forderungen nach Staatsknete.

Nee, stimmt. Sie hört auf diejenigen, die leise aus den Büros der Lobbyisten über die Flure des Reichstags schleichen. Die schreien nicht laut. Die sichern ihre Interessen, indem sie sie den Politikern direkt in die Gesetze diktieren. (Wie peinlicherweise bei der Nikotinindustrie herausgekommen, als deren Vorlage wortwörtlich ins Gesetz übernommen wurde.)

Ver.di will ja nun endlich mal ein paar Demos auf die Beine stellen. Aber die unterbezahlten Arbeitnehmer schreien dem Angela sicher wieder zu laut. Mindestlöhne und Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, Stärkung des Binnenmarktes - alles viel zu laut. Lieber Steuersenkungen für die leisen Reichen.

 

12.1.2009

Binnenmarkt

Bei Finkeldey ist wieder einmal ein erstklassiger Beitrag erschienen.

http://kritik-und-kunst.blog.de/2009/01/11/hoovern-brueningen-steuern-runter-schlechter-sozialleistungen-rauf-neuseeland-tun-5361194/comment_ID/8779630/comment_level/1/#c8779630#c8779630

Ein kleiner Auszug hier, aber man sollte unbedingt das Ganze lesen:

"Wirtschaftspolitisch ist eine Steuererleichterung, die primär den Besserverdienenden zugute käme, Schwachfug. Denn diese Erleichterungen gehen nicht, jedenfalls nicht überwiegend, in den unmittelbaren Konsum. Besserverdienende brauchen auch in der Krise weiß Gott keine Geschenke, die sie im Zweifelsfall sparen, auf den Bahamas verjubeln oder in Gold anlegen. Diejenigen benötigen eine Verbesserung, die dieses Geld definitiv sofort binnenkonsumieren würden – und das sind die Erwerbslosen und die Rentner im unteren Rentensegment. Der Regelsatz müsste rauf, und zwar massiv, verbunden mit einer Kampagne an alle Schlechtverdienenden (denn die  Zugangskriterien für ergänzendes ALG2/Aufstocker würden sich dann ja auch ändern!), von ihrem Recht auf ergänzendes ALG2 massiv und ohne falsche Scham Gebrauch zu machen. Auch die Renten müssen deutlich rauf. Beides würde dem Konsum sofort und nachhaltig auf die Beine helfen. Senkung der Umsatzsteuer wäre auch verhandelbar, aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich ein massives Raufsetzen der Sozialleistungen intuitiv sogar befürworten, da vermutlich weniger Mitnahmeeffekte gegeben sind."

Dazu hätt ich zu sagen:

Die heute noch Erwerbstätigen tun sich doch selbst keinen Gefallen, wenn sie Arbeitslosen und Rentnern mehr Geld missgönnen. Denn
a) Rentner werden sie auch bald sein, und
b) wenn der Binnenmarkt immer weiter abschmiert, sind sie vielleicht auch bald arbeitslos.

Ist doch alles kurzsichtig.
Wir alle brauchen mehr Brutto.

 

9.Mai 2009

Die Rentenlüge geht weiter

Bei Duckhome gibt es einen Artikel, den man nicht besser schreiben könnte.

http://www.duckhome.de/tb/archives/6364-Die-Rentenluege-geht-weiter.html#comments

Zitat:

 

Tatsächlich ist die Rente schon lange nicht mehr sicher, weil die Lobby der Banken und der Versicherungswirtschaft an einer solidarischen Rentenversicherung ja nichts verdient. Deshalb ist jede Form einer solidarischen Absicherung für die Neoliberalen und das Großkapital von Übel, weil sie ja bei allen und mit allem Geld abzocken wollen.
Wer sich allerdings auf Riesterrente und ähnlichen Unfug eingelassen hat, der hat bisher nur verloren und wird auf Dauer froh sein müssen, wenn er das eingezahlte Geld wieder herausbekommt - und muss den Inflationsverlust natürlich auch selbst schultern. Für Menschen, die ihren Unterhalt aus Arbeit bestreiten, ist eine aus eigener Kraft geschaffene kapitalgedeckte Rente ein unmögliches Unterfangen. Es kann nicht aufgehen.

Deshalb sind solidarische Versicherungssysteme ja auch für die Mehrheit der Menschen so wichtig. Die gemeinsame Kraftanstrengung aller lässt Dinge möglich werden, die der Einzelne nicht kann. Wichtig ist dabei jedoch, dass alle mit anfassen. In Deutschland gab es den verhängnisvollen Trend, immer mehr Leute aus den solidarischen Versicherungen zu entlassen. Natürlich wurden gerade die entlassen, die viel verdienten und deshalb eine größere Last als andere schultern konnten.

Wenn Blüm also heute höhere Einnahmen der Rentenversicherung durch Beitragserhöhung einfordert, dann will er damit nur kaschieren, dass es zu viele gibt, die zwar die Vorteile Deutschlands mitnehmen, sich aber an den Lasten nicht gerecht beteiligen. Deshalb ist es erforderlich, die Beitragsbemessungsgrenzen für die solidarische Versicherung auf unbegrenzt zu stellen - oder sie ganz abzuschaffen.

Jede Art von Einkommen, das natürliche oder juristische Personen erwirtschaften, muss die solidarischen Sicherungssysteme mit dem gleichen Satz bezahlen. Unten sollte eine Sperre eingezogen werden, die Einkommen unter 30.000 Euro ganz von diesen Lasten befreit. Dann wäre nur die Leistungsfähigkeit der Gradmesser für die Beitragssumme, der Prozentsatz aber für alle gleich.

Natürlich ist eine ehrliche Rentenpolitik in diesem System nicht zu machen. Die Lobbyisten sitzen ja schon in den Ministerien und arbeiten die Gesetze aus. Als Berater der Regierung arbeiten Leute, die eigentlich auf der Lohnliste der Versicherungswirtschaft stehen, und selbst Wirtschaftsweise sind oft nur Lobbyisten.

Die Renten werden weiter sinken. Sie werden auch in 2010 sinken. Das Gesetz ist nur Wahlkampfgejaule. Es wird aber auch die Beitragserhöhungen des Herrn Blüm geben, und zwar nur auf der Arbeitnehmerseite. Die Rentenkürzung könnte aus einem Solidarbeitrag für Bildung und Ausbildung in Höhe von 1,25 Prozent der Renten bestehen.
  Das Geld würde natürlich im Steuertopf versickern und zum Schluss zu weiteren Rettungen bei den Bankstern und dem Großkapital verwendet werden.

 Wie Kreutzer

http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2009/18.html

schon in seinem Artikel folgert: Nicht die Rentner sind das Problem, sondern das Großkapital und seine neoliberalen Handlanger. Schaffen wir Regeln, die alle nach ihrer Kraft die gleiche Last tragen lässt!

Es gibt bei Duckhome noch drei Kommentare dazu, die absolut lesenswert sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




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