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Jilliane Hoffman: Vater unser

Boah, das war eine Geschichte!!

Ich hab ja schon die beiden ersten Bücher der Autorin gelesen, Morpheus und Cupido. Man kann wohl sagen, dass dies ein Folgeband ist. Allerdings nur insofern, als die Geschichte am selben Ort spielt, Charley Rifkin noch Oberstaatsanwalt ist und T.C. Townsend, die Heldin aus "Cupido", am Rande erwähnt wird: Sie würde möglicherweise in ein paar Monaten zurückkommen.

Wenn man die ersten beiden Bücher nicht kennt, macht das gar nichts. Auch wenn Cupido immer mit aufgezählt wird bei der Liste von Serienmördern, und er der einzige Fiktive ist. Die meisten Leser wissen ja, dass Hoffman das Buch "Cupido" geschrieben hat.

Diesmal geht es um eine junge Staatsanwältin (Julia, 27 Jahre alt), die ihre ersten Sporen verdienen möchte. So ist sie sehr glücklich, als Zweite Anwältin bei einem sehr großen Fall berufen zu werden – auch wenn es wohl hauptsächlich daran liegt, dass sie ein loses Verhältnis mit Rick Bellido, dem ambitionierten Staatsanwalt hat.

Es geht um den Fall des Chirurgen David Marquette, der eines Nachts seine Familie, Frau und drei Kinder, ermordet hat. Sein Verteidiger plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit, da Marquette an Schizophrenie leidet. Aber ist das wirklich so? Spielt er Theater, oder ist er wirklich krank? Als Leser neigt man mal zu der einen, mal zu der anderen Ansicht. Erst ganz am Schluss kommt der entscheidende Hinweis.

So ein Roman wäre nicht 570 Seiten dick, wenn nicht noch viel, viel mehr passierte. Julia hat eine schreckliche Familiengeschichte hinter sich, die durch diesen Fall wieder aufbricht. Ich will darüber nichts verraten, denn auch im Buch kommt diese Geschichte nur nach und nach ans Tageslicht.

Und dann die vielen schönen Gerichtsszenen mit Plädoyers und Zeugenaussagen. Ich liebe das! Vom amerikanischen Gerichtssystem an sich halte ich nicht viel, es erscheint mir fast unseriös. Dieser Wettkampf zwischen Staatsanwalt und Verteidiger, bei dem oft der Täter schon fast aus dem Blickfeld gerät, weil jeder nur noch gewinnen will. Und diese Sache mit den Geschworenen, die über Schuld oder Unschuld entscheiden sollen, wobei sie nach Kräften von Staatsanwalt und Verteidiger manipuliert und beeinflusst werden. Mir fällt dabei immer nur ein: Vox populi, vox Rindvieh.

Trotz meines Unbehagens an dieser Art von Justiz gebe ich aber gerne zu, dass sie sehr, sehr medienwirksam ist und richtig schöne spannende Geschichten abwirft. Bei der deutschen, eher unspektakulären Justiz ist das lange nicht so. (Mit ein paar Ausnahmen. Ich hab zum Beispiel Monika Weimar nie für die Mörderin ihrer Kinder gehalten, sondern den Ehemann, obwohl sie die Strafe bis zum Ende absitzen musste.)

6.11.2010

 

Elizabeth Corley: Crescendo

Ich beziehe von Weltbild die Reihe "Lady Thriller". Nicht unbedingt nur von weiblichen Autoren geschrieben, sondern das Auswahlkriterium ist, dass die Heldin eine taffe Frau sein muss.

Ich war total hingerissen von "Crescendo"! Der Titel passt, es ist eine mörderisch spannende Geschichte, die auf einen kreischenden Höhepunkt zuläuft.

Dabei merkte ich aber, dass dieses Buch ein Band aus einer ganzen Serie ist, deren Protagonist Inspector Andrew Fenwick heißt, ein DCI in der englischen Provinz. (Schnell besorgte ich mir über Tauschticket die anderen Bände. Den ersten hab ich gelesen, war auch nicht schlecht, aber an Crescendo kommt er leider nicht heran.)

Die taffe Frau ist übrigens die Polizistin Louise Nightingale. Sie hat eine rätselhafte Familiengeschichte, die sich erst im Laufe des Buches enthüllt und sie ohne ihr Wissen persönlich in den Fall verstrickt. Es ist der Fall eines Serienmörders, der seine Opfer im Internet findet, bei einem dieser Internet-Rollenspiele. Louise loggt sich in das Spiel ein und kann ihre Polizeikollegen auch wirklich auf die Spur des Mörders bringen. Außerdem ist sie schon lange in den alleinerziehenden Fenwick verliebt, aber der merkt rein gar nichts. Um mit ihren Gefühlen klar zu kommen, verlässt sie die Polizei und zieht für eine Weile in die alte Mühle ihrer Familie weitab von jeder menschlichen Behausung, und dabei ahnt sie nicht, dass der Killer aus dem Internet hinter ihr her ist. Zwar fühlt sie sich gestalkt, aber sie meint, in der Mühle würde sie keiner finden. Nur einmal macht sie einen fatalen Fehler, und schon weiß der Kerl, wo er sie suchen muss.

Vielleicht klingt das alles so ähnlich wie tausend andere Geschichten, aber es ist wirklich große Klasse!

 6.11.2010

Claudia Platz: Der zweite Blick

Ja, also die Geschichte war schon richtig gut, aber die Autorin weiß definitiv nicht, was schriftstellerisches Handwerk ist. Da hätte ein Lektorat Wunder gewirkt!!

Deutschland-TV, ein Privatsender mit Sitz in Mainz, plant ein neues Sendeformat: In der Pilotsendung soll das Publikum per TED entscheiden, ob der vor 15 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilte Sexualstraftäter Peter Schwarz wirklich schuldig ist.

Wenige Tage nach der Ausstrahlung ist für Claire Flaanke, die Moderatorin der Sendung, für Katharina Neu, die verantwortliche Redakteurin, und deren Tochter Anna plötzlich nichts mehr wie es war. Alle drei Frauen werden nach und nach Opfer psychischer und physischer Gewalt.

Es geht um das Thema Stalking, um Vorurteile, um die Resozialisierbarkeit von Sexualstraftätern. Eigentlich ein tolles Buch. Aktuell und zum eigenen Nachdenken anregend.

Wenn die Autorin nur das Handwerk der Schriftstellerei beherrschen würde!!

Sie schreibt hölzern, oft mit einer plötzlichen Distanz. Dabei ist das eindeutig nicht beabsichtigt, es soll ein spannender Roman sein und keine Dokumentation. Aber es gibt immer wieder diese Brüche, die einen aus dem Text werfen. 

 

Nun gibt es ja eine Regel, die besagt, dass vor einem "und" kein Komma stehen darf. Allerdings muss man das differenziert sehen, denn es gibt zwei Sorten von und. Einmal verbindet es Begriffe: Hund und Katz, Mann und Maus, ich ging in den Laden und kaufte eine Leberwurst.

Hier wäre ein Komma tatsächlich falsch.

Aber es gibt auch noch ein Und, das etwas Getrenntes verbindet. Wenn man an solchen Stellen das Komma weg lässt, kommt ein hanebüchener Blödsinn heraus. Claudia Platz:

"Gib dir einen Schubs und so, wie du momentan aussiehst, könntest du etwas Aufmunterung vertragen." - "Zuerst ging sie zur Kosmetik, dann zum Friseur und kaufte sich einige Kleidungsstücke."

Ihr seht, dass man beim ersten Lesen den Satz falsch betont und auch falsch versteht und sich korrigieren muss. Und das ist hier so bei fast jedem Satz mit "und"!

Dann peinliche Grammatikfehler:

"Katharina war sich dem nur allzu bewusst."  (Und das, nachdem Bastian Sicks Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" jahrelang auf den Bestsellerlisten stand!)

Dummer Stil kann aber auch einen herzhaften Lacher hervorrufen:

Da steht der Stalker plötzlich in der Wohnung der Heldin, die gerade aus dem Bad kommt und ins Bett gehen will. Der Kerl lehnt an der Tür "greift in die Hose und zieht etwas Rotes heraus".

Ups? Ganz rot??

Aber nein, es sind rote Dessous, und er holt sie aus der Hosentasche.

Aber erstmal hat man ein ganz anderes Bild vor Augen..
.

Schade. Aus der Geschichte hätte eine gute Schriftstellerin (oder eine gute Lektorin) ein gutes Buch machen können.

 

Arno Strobel: Der Trakt

Wer etwas Spannendes sucht, ist mit dem Trakt gut bedient!

Sibylle Aurich wacht nach zwei Monaten Koma im Krankenhaus auf. Sie wurde im Park überfallen, daran erinnert sie sich genau, und auch an ihren sechsjährigen Sohn Lukas. Aber das Krankenzimmer erscheint ihr ungewöhnlich, und der Arzt steckt in einem weißen Kittel, der ihm ein paar Nummern zu groß ist.

Sibylle flieht aus dem Zimmer. Dabei stellt sie fest, dass es kein normales Krankenzimmer ist, sondern irgendwo in einem Keller. Sie rennt zu Fuß nach Hause, dabei trägt sie nur eines dieser  halboffenen Hemdchen - während Jugendliche über ihren Aufzug gröhlen, hält neben ihr eine rothaarige mütterliche Frau das Auto an und fährt Sibylle nach Hause.

Da erwartet sie die totale Überraschung: Ihr Mann erkennt sie nicht. Er weiß auch nichts von einem Sohn. Sibylle erinnert sich an jedes Detail im Haus und kann nicht nachvollziehen, dass sie auf ihren Mann wie eine Fremde wirkt. Und dass er die Polizei ruft, damit die Verrückte abgeholt wird.

Es ist eine lange und abenteuerliche Flucht, und das Spannendste: Man weiß nie, wer Freund ist und wer Feind. Stückweise kommt Sibylle der Verschwörung auf die Spur. Freunde erweisen sich als Verräter, Verräter als Verbündete, und dann ist doch wieder alles ganz anders - wirklich ein Verwirrspiel. Aber nicht so, dass der Leser verwirrt ist, man kommt schon mühelos mit.

Es ist eine Geschichte darüber, was Wissenschaftler anrichten können, wenn sie skrupellos genug sind.

Am Ende des Buches ist noch eine Leseprobe für einen anderen Psychothriller des Autors: "Das Wesen". Ich glaub, den tu ich mir demnächst auch noch an!

 

Ulla Hahn: Das verborgene Wort

Normalerweise les ich ja am liebsten spannende Thriller  und Krimis. Aber dann lieh mir jemand das Buch von Ulla  Hahn, das müsste ich unbedingt lesen. Wenig begeistert fing ich an.

Und wurde positiv überrascht!

Das ist die Geschichte von Hildegard (Hilla) Palm,  die in einer erzkatholischen und sehr bildungsfernen Arbeiterfamilie geboren wird. Der Roman spielt in den FünfzigerJahren - und meine Altersgenossinnen hier ahnen zu Recht Schlimmes. Diese Erziehungsmethoden! Heute würden sie als Kindesmisshandlungen bezeichnet!

Hilla ist so ganz anders als alle anderen Familienmitglieder, wissbegierig, wild auf Bücher – natürlich versucht man, ihr das Lesen zu verbieten. Ihre Intelligenz stößt in der Familie auf größtes Misstrauen.

Als Teenager arbeitet Hilla eine kurze Zeit in einer Fabrik, um etwas Geld für Bücher zu verdienen. Da lernt sie dann auch die Arbeitswelt kennen, wie sie damals war, zermürbend und sehr, sehr schlecht bezahlt – nun ja, auf dem Stand von damals  sind wir ja nun wieder.

Es wird viel im Kölner Dialekt gesprochen in dem Roman. Einige Leser haben das bei Amazon bemängelt, aber selbst mir als Norddeutscher hat das gar keine Schwierigkeiten gemacht. Es gibt hinten im Buch ein Glossar mit Übersetzungen, aber die hab ich fast gar nicht gebraucht. Vielleicht ist sich "Platt" in gewisser Weise ähnlich? Egal ob vom Rhein oder von der Elbe?

Vor ein paar Tagen gab es ein Interview mit der Autorin im Radio. Sie erzählte, dass sie von vielen Lesern die Rückmeldung bekommt, dass diese ihr eigenes Leben "mitdenken" beim Lesen. Genau so erging es mir auch.

Da gibt es einige Ähnlichkeiten, aber auch gravierende Unterschiede. Auch meine Familie stammt aus der Arbeiterschicht, aber "Bildung" wurde bei uns sehr geschätzt. Wir hatten mehr Bücher als irgend etwas anderes. Nie hätte mir jemand verboten, etwas zu lernen. Meine Oma, bei der wir etliche Jahre leben mussten (Wohnraum war bis in die Sechziger Jahre knapp wegen der Zerstörungen im Krieg) war ein unkonventioneller Wassermann wie er in den Astrologiebüchern steht: nix Neues konnte sie je erschüttern.


So ist es besonders aufregend zu lesen, dass Hilla auf solche Schwierigkeiten stieß, als sie sich aus der Enge befreien wollte.

Meine Familie war atheistisch, so dass es für mich hoch interessant war, von dieser katholischen Kultur zu lesen. Die muss ja nicht zwangsläufig hinterwäldlerisch sein, in diesem Fall war sie es aber. Es war allerdings nicht so, dass ich nicht die geringste Ahnung von Religion hatte. Außerdem hatte ich Schulkamerad/inn/en, die in ähnlichem Milieu aufwuchsen wie Hilla im Roman. Obwohl es in Harburg ein evangelisches Milieu war - aber da kann's auch ganz schön miefig zugehen, scheint mir.

Als Kind war ich immer überrascht, wenn ich von Mitschülern wegen meiner Ansichten kritisiert wurde. Ich schämte mich dann. Ich hatte das Gefühl, viel weniger zu wissen als die. Erst als Erwachsener ging mir auf, dass diese Kinder von einem extrem konservativen Elternhaus geprägt worden waren und da einfach zwei Weltsichten zusammenprallten. Heute find ich das amüsant, aber damals - ich dachte immer, ich wär der Depp. *gg*

Mittlerweile gibt es die Fortsetzung, sie heißt „Aufbruch“, aber ich muss warten, bis die preiswertere Taschenbuch-Ausgabe erscheint.

 

13.1.10

 

Frank Schulz: Morbus Fonticuli...

...oder die Sehnsucht des Laien".

Dieses Buch hat mir mein Bruder neulich geliehen, mit den Worten: "Das ist das einzige Buch, das ich zweimal gelesen hab."

Und das begreif ich wirklich. Obwohl ich sonst auch keine Bücher mehr als einmal lese.

Der 738-Seiten-Wälzer ist der mittlere Teil der "Hagen-Trilogie" von Frank Schulz und spielt in der Süderelbe-Szene von Harburg bis halbwegs nach Stade, und bis 'rauf nach St.Pauli.

Es ist ein Kultbuch für die Harburger, klar... besonders, wenn man weiß, welche realen Personen da überspitzt und verzerrt dargestellt werden. Mein Bruder konnte mir einige Klarnamen sagen, und das Witzigste ist, die Person "Bärbel Befeld" ist eine Kundin von ihm (er hat einen Antennen-Service) und heute mit einem Schlachter verheiratet.

Der Schreibstil macht einen großen... wenn nicht den größten Reiz der Geschichte aus. Das ist so witzig zu lesen! Ich hab immer wieder Anfälle hilflosen Gackerns erlitten.

Zum Beispiel über Rudi den Arsch, sprottenmagerer Althippie mit fettigen Haaren und der Säuselstimme der Kiffer der ersten Stunde, kregel, faul, geil und geschwätzig. Ein Spinner vor dem Herrn.

"Stante pede laß ich Bier und Polin im Stich, aber kurz vorm Ausgang entdeckt er mich. Reißt einen seiner popeligen Zeigefinger hoch und flötet: "Öi! Mordtn, aldte Puff'odtta! Wußte gahnich, daß du auch Nuhdißd biß! Hh!"

Und über dieses "Hh" konnte ich mich nicht wieder einkriegen vor Lachen. Ich konnte mir das so genau vorstellen! Hab auch schon so manchen kiffenden Althippie erlebt...!

Oder die Haspelreden von Irmgard Schröder, Bodo Mortens Chefin beim ELBE-ECHO. Die echte heißt "Süderelbe" und ist eine dieser kostenlosen Anzeigenblätter, die mittwochs verteilt werden. Morten ist da Redakteur. Sein Chefredakteur ist Eugen von Groblock, und auch dessen Redeweise ist voller ja? und nej? und total unverwechselbar.

Hier ein Auszug aus einem Disput zwischen von Groblock und Schröder:

"Heeerr... äh Groblock", sagte Schröder. "Sie reden sich um Kopf und Ka- äh Kropf und Kragen." 

"Nej?" keuchte Eugen. "Ich hab doch gar nichts..."

"Jeder, Herr -" Schröder blickte zur Decke, "ach wissen Sie, wir machen jetzt mal Neger mit Köp-, Ne- Nägel mit Köpfeln. Köpfen."

Es geht also um den Ich-Erzähler Morten, der bestens verheiratet ist, aber eine blutjunge Frau namens Bärbel Befeld trifft, der er total verfällt. Jahrelang bemerkt seine Frau nichts von der Affäre. Das Buch ist voll mit Beschreibungen, wo die beiden Sex haben - aber witzig - mitten im Park oder einmal nachts auf der Köhlbrandbrücke. (Fällt mir immer wieder ein, wenn ich über den Köhlbrand fahre!) Bärbel erbt den Blumenladen ihres Chefs und geht pleite damit. Bodo schreibt einen sehr erfolgreichen erotischen Roman, in dem er seine Erlebnisse mit Bärbel verarbeitet. Irgendwann entdeckt Anita, seine Frau, dann doch sein kleines Kabuff in St. Pauli, wo er in "Journalen" seine Erlebnisse mit Bärbel aufgeschrieben hat. (Diese Journale bilden den Hauptteil des Buches. Plus viele Erinnerungen an seine Kindheit im "Kaff". (Hagen)

Ich hab mich selten so amüsiert beim Lesen der labyrinthischen Schachtelsätze und der wörtlichen Widergabe von Missingsch und Plattdeutsch. Es ist einfach genial geschrieben. Erinnert mich stark an Robert Gernhard. 

19.4.09

 

 

 

Sebastian Fitzek: Amokspiel

Raaa-send spannend!!

Es fängt damit an, dass Ira Samin, Spezialistin für Geiselverhandlungen, an diesem Tag ihren Selbstmord plant. Sie kommt über den Tod ihrer ältesten Tochter nicht hinweg, sie ist aus Kummer alkoholabhängig geworden, sie hat ihr Leben satt. Da verlässt sie doch noch einmal die Wohnung, um sich ein Getränk zu holen, mit dem sie ihre tödlichen Tabletten herunterschlucken kann. (Ich hätt ja einfach Wasser genommen, aber was solls.)

Da gerät Ira in eine ungeheuerliche Geschichte: Ein Mann hat den lokalen Radiosender besetzt und hält ein paar Geiseln. Jedes Mal, wenn er irgend einen Telefonanschluss in Berlin anruft, muss der Teilnehmer einen bestimmt Satz sagen, sonst stirbt eine der Geiseln. Sagt er den richtigen Satz, wird eine freigelassen.

Der Grund für diese Aktion ist folgender: An dem Abend, an dem Jan May seiner Freundin einen Heiratsantrag machen wollte, wurde ihm von zwei Polizisten die Nachricht von Leonies Tod überbracht. Aber eben vorher hatte er noch einen Anruf von ihr erhalten, in dem sie ihm (fast unverständlich durch Störgeräusche) erklärte, er solle nichts glauben, was man ihm über sie erzähle... und irgend etwas über "Tod".

Jans Nachforschungen brachten ihn aber immer wieder an den Punkt, dass er eine behördliche Verschwörung vermutete. Und deshalb hat er jetzt diese spektakuläre Aktion mit den Geiseln im Radiosender.

Ira verhandelt mit ihm und muss feststellen, dass auch ihre jüngere Tochter in den besetzen Räumen gefangen ist, allerdings hat der Geiselnehmer noch nicht bemerkt, dass sie sich in der Küche versteckt hält.

Also die Geschichte ist mitreißend, und wie bisher jedes Mal bei Fitzek: Die wahren Hintergründe bleiben lange verborgen. Im Laufe der Geschichte löst sich ein Rätsel nach dem anderen. Es gibt immer wieder neue überraschende Wendungen.

Ich hab das in zwei Tagen durchgelesen, konnte mich nicht losreißen!  

23.3.09

 

Stephen King: Qual

Wo ich hier so mit einer Wolldecke über den Knien und einer Kanne heißen Kaffee herumsitze, fällt mir ein, ich könnte ja mal wieder ein paar Bücher erwähnen. Ich les zwei bis drei von denen pro Woche und weiß gar nicht, warum ich da so selten drüber schreibe.

Eines der letzten war "Qual" von Stephen King. Was dieser Titel soll, erschließt sich mir nicht, der Originaltitel "Blaze" ist viel besser. So heißt nämlich ein geistig behinderter junger Mann. Der war als Kind sehr intelligent gewesen, aber sein trunksüchtiger Vater hatte ihn mehrfach eine Treppe hinunter geworfen, so dass Blaze eine schlimme Kopfverletzung erlitt. 

Er kommt schnell in schlechte Gesellschaft, da er ja keinen vernünftigen Schulabschluss hat und nur Gelegenheitsjobs annehmen kann. Sein Freund George ist ein Kleinkrimineller. Seine große Idee ist eine Entführung, und zwar kidnapped man am besten ein Baby. Das kann einen später nicht identifizieren, es kann nicht weglaufen und so weiter. Ist ja durchaus kein dummer Gedanke. Ein passendes Kind hat George auch schon ausgemacht. Da wird er von einem anderen Verbrecher erstochen, und Blaze steht alleine da.

George ist jetzt sozusagen in seinem Kopf und weist ihn bei jeder Gelegenheit zurecht, so wie er das auch im Leben getan hatte. Außerdem gibt er Blaze Tipps - was wohl erklärt, dass der auf eigene Faus loszieht und den sechsmonatigen Jungen entführt - natürlich mit mehr Glück als Verstand. Nun hat er einen Säugling am Hals. Wie geht man damit um?

Blaze hatte sich durchaus vorbereitet, hat mehr als 200 geklaute Dollar in eine Baby-Grundausstattung investiert. Aber er war nicht schlau genug, alle seine Spuren zu verwischen. Die Polizei ist schon ziemlich bald hinter ihm her. Blaze flüchtet mit dem Säugling, und es ist tiefster Winter, mehr als 15 Grad minus...

Dies ist ein Schubladenroman aus dem Jahr 1973. Wer Stephen King kennt, weiß ja, dass er gerne seitenlange Nachworte schreibt, so auch hier. Ich les das übrigens gerne. Er schreibt ja immer mitreißend. Allerdings bin ich wie King selbst der Meinung, dass die Rückblenden in dem Roman besser sind als die Geschichte selber.

Obwohl ich immer noch gerne seine Bücher lese - an die "guten alten" ist schon länger nichts mehr herangekommen. Alle diese Superdinger - "Es", "Christine", "Cujo", "Shining", "Das Spiel", die "Tommyknockers"... es ist eine lange Reihe. Als einzige hab ich die Roman-Trilogie "Der Turm" nicht gelesen, weil mir das zu sehr Phantasy war. Mir gefielen immer die Geschichten am besten, in denen das Grauen so langsam aus dem ganz normalen Alltag erwuchs.

Dass Stephen King nun langsam etwas nachlässt, ist eigentlich normal. Geht den meisten Vielschreibern so. 

23.3.09

 

Jo Nesbo, Nesbö oder so

Ja, der Name schreibt sich mit diesem skandinavischen O mit einem Schrägstrich durch, das wie ein Ö klingt. Den Buchstaben hab ich aber nicht auf meiner Tastatur.

Eines Tages fand ich "Der Erlöser" aktuell auf dem Taschenbuchmarkt. Den las ich, um dann festzustellen, dass es der bisher vorletzte Band einer ganzen Reihe um den Ermittler Harry Hole ist. Besser, man liest das in der richtigen Reihenfolge:

Der Fledermausmann

Kakerlaken

Rotkehlchen

Die Fährte

Das fünfte Zeichen

Der Erlöser

Schneemann

Leopard

Die letzten beiden sind noch nicht als TB erhältlich, und als gebundenes Buch sind sie mir zu teuer. Darum muss ich noch warten.

Diese Reihe ist wirklich etwas für Fans und Nicht-Fans der Skandinavien-Krimis! Harry Hole (spricht sich Ho-li) tummelt sich in Norwegen und, in den ersten beiden Büchern, in Australien und in Thailand. Bei Amazon bemängelte ein Rezensent, dass er im ersten Band so viel über Australien erfahren musste, das hat ihn gelangweilt. Nun, mich nicht!! Ich fand die Aborogines-Problematik keineswegs langweilig, und soooo viel war es nun wirklich nicht. Hole findet da einen schwarzen Freund, der ihm einiges über sein Volk erzählt.

Die Romane sind spannend und so kurzweilig, dass ich schon manchen Abend bis nachts um 2 Uhr gelesen habe! Hole leidet am Alkoholismus, der ihn dann und wann überwältigt. Darum schickte man ihn nach Thailand, weil dort ein norwegischer Diplomat ermordet wurde - in der Annahme, dass der Suffkopp nichts herausfindet. Harry aber kann abstinent bleiben, so lange er an einem Fall arbeitet, und damit hatten die nicht gerechnet. Er findet also mehr heraus, als den Politikern lieb ist.

Also, selbst Leute, die vielleicht nicht gerne was Skandinavisches lesen, haben ja im ersten und zweiten Band die exotischen Schauplätze. Und der Harry ist in Ordnung! 

6.11.08

 

At Knit's End

Mal zur Abwechslung etwas Erfreuliches. Dieses Büchlein hier:

Es ist nur 10 X 15 Zentimeter groß, hat aber 320 Seiten, und man lacht immerzu!

"Experience palpitations when passing a yarn shop? Sneak new yarn purchases into the house? Utter the words "just one more row"? Plan your vacation around yarn store locations? Secretly scope out new spots to store your stash?"

JA, JA, JA, JA... viermal JA - nur in den Urlaub fahre ich nicht. Aber etwas anderes ist mir schon passiert, das im Buch beschrieben wird: Ich finde zufällig in einer fremden Stadt das einzige Wollgeschäft im Umkreis von hundert Kilometern. War zweimal zur Kur, da passierte das. Die tägliche Meditation dazu: "Respect your inner compass. It points to yarn."

Nomen est Omen. Stephanie Pearl-McPhee heißt ja schon beinahe "linke Masche" = purl.

In kurzen Kapitelchen erzählt sie von ihren Erfahrungen als Strickerin, und alles ist zum Grinsen. Über jedem dieser Kapitel ist ein Zitat. Beispiel:

Lead us not into temptation. Just tell us where it is; we'll find it. SAM LEVENSON

I cannot count the number of timesI have been in a yarn shop. Hundreds, probably thousands of times. I can count on one hand the number of times I left with nothing: three. Once because I'd forgotten my money, once because my child felt ill, and once because my credit card was declined. (It was the second yarn shop of the day.)

Even the worst yarn shop has something you need.

Ich hab das Buch gerade von Amazon geschickt bekommen, und ich kann's nur empfehlen! Spaß ist garantiert! 

9.9.08

 


D. Nick: Eva go home

Viele mögen sie ja nicht, hört man jedenfalls oft. Vielleicht ist Desirée Nick den Leuten etwas zu forsch.

Aber ich finde sie klasse, und besonders seit ich ihr Buch "Eva go home" gelesen habe.

Denn man kann ihr eines nicht nachsagen: Dass sie stutenbissig wäre. Die Forschheit richtet sich doch nur gegen Männer, und solche wie Eva Herman, was soll mich daran stören?

Warum soll ich etwas gegen eine Frau haben, der es mit der Gleichberechtigung ernst ist!

Kennt jemand das Buch "Das Eva-Prinzip"? Ich hab es bisher nicht gelesen, vielleicht kriegt man es ja mal billig oder ganz umsonst. Geld möchte ich dafür jedenfalls nicht ausgeben. Aber lesen würde ich es, nur um genau zu sehen, worauf Desirée Nick geantwortet hat.

Aber ihre Antworten allein sind schon sehr lesenswert. Immerhin wird zitiert, worauf sie sich bezieht. Und immer geht es ihr darum, dumme Vorurteile zu entlarven und eine lächerlich verzerrte Vorstellung von der Wirklichkeit der Frauen wieder zu entzerren.

Und im Gegensatz zu Eva Herman hat Desirée Nick Fakten anzubieten und nicht irgend ein verschwafeltes Zeugs. Nur ein paar Zitate, die mir so auf den ersten Blick auffallen:

"Warum Mutti nicht schuld ist, wenn wir aussterben. - So oder so: In Deutschland gibt es nur zwei Schubladen für Mütter: a) Rabenmutter und b) frustrierte Hausfrau. - Man muss Frau Herman wirklich dankbar sein, denn gäbe es das Eva-Buch und ihre Prinzipien nicht, dann hätte man als Satirikerin diese beiden Knaller erfinden müssen."

3.7.08

 

Das Rätsel

Vor ein paar Tagen hab ich nun "Das Rätsel" von Katzenbach durchgelesen. Naja, es geht. Langweilig ist es nicht. Aber im Moment lese ich gerade "Hannibal" von Thomas Harris und finde das sehr viel fesselnder. Außerdem fiel mir noch auf, dass es in Katzenbachs Zukunft offenbar keine Handys gibt. Sonst müsste doch wohl einer nicht stundenlang laufen, um per Telefon Hilfe zu holen.

Andererseits ist die Geschichte auch nicht dumm. Mir gefällt der politische Aspekt. Weil es nirgendwo Sicherheit gibt, erschaffen sie einen 51. Bundesstaat namens New Washington im Norden New Jerseys. Hier soll unter allen Umständen die totale Sicherheit herrschen, und dafür werden alle möglichen Bürgerrechte außer Kraft gesetzt. Die Bürger stören sich auch nicht daran, wenn sie ihre Autos und Haustüren dafür nicht abschließen müssen. Man erkennt aber, dass da der Faschismus nicht weit weg ist.

Um so schlimmer trifft es die Behörden, dass sich ein Serienkiller in ihrem Staat betätigt. Der Professor, der  ihnen helfen soll, den Mörder zu fangen, ist dessen Sohn. Wie gesagt, im Grunde keine schlechte Geschichte.

  24.6.08

 

John Katzenbach: Das Rätsel

Irgendwann beim Lesen erinnerte ich mich, dass ich schon einmal ein Buch von Katzenbach hatte. Möglicherweise "Der Patient", aber sicher bin ich nicht. Mir fiel jedoch auf, dass eine Gesellschaft in der näheren Zukunft beschrieben wurde, und genau so etwas hab ich schon mal gelesen.

Ehrlich gesagt, dieser Aspekt befremdet mich ein wenig. Denn Katzenbach ist kein Science-Fiction-Autor, so einer wäre geschickter. Die Geschichte spielt etwa 20 bis 30 Jahre in der Zukunft, und es ist ein Amerika ohne Halt und wirksame Gesetze. Die Menschen müssen sich verschanzen und können nur in Gruppen auf die Straße, um nicht ermordet zu werden. Während also die Gesellschaft deutlich verändert ist, ist es die Technik keineswegs. Am Computer liest man grüne Schrift auf schwarzem Hintergrund. Das war doch DOS? Und das Buch wurde 1997 geschrieben!

Und Disketten gibt es noch. Und Leute sehen sich beim Telefonieren über Video. Auch die gleichen Autos gibt es wie vor 20 Jahren, Geländewagen mit Kuhfänger vorne dran.

(Dass es auch in zwei Jahrzehnten noch Jeans geben wird, bin ich allerdings geneigt zu glauben.)

Mir fällt auch eine "historische Lücke" auf. Wenn die Menschen im Roman einen Vergleich zu früheren Zeiten ziehen, sind das immer Personen und Ereignisse, die es vor mindestens 20 Jahren gab. Es müsste aber in der Zwischenzeit so viel passiert sein, dass man sicher zuerst an aktuellere Beispiele denken würde. Es würden auch nicht alle immerzu Lieder aus den Siebzigern und Achtzigern des 20. Jahrhunderts singen.

Die Geschichte an sich ist aber einigermaßen spannend. Ich hab sie nur noch nicht durch.

 

21.6.08

 

Lost in Translation


Bei Jokers gibt es gerade ein Buch zum Weglachen für 4,99 €. Charlie Croker hat englische Stilblüten gesammelt, die meisten aus nicht-englischsprachigen Ländern, aber auch einiges Verdrehte von Muttersprachlern.

Paar Kostproben?

Thailand, Angebot eines Eselritts: "Would you like to ride on your own ass?"

Hotel in Acapulco: "The manager has personally passed all the water served here."

Hotel in Rumänien: "Dear Guts".

Hotel in Finnland: "If you cannot reach the fire exit, close the door and expose yourself at the window."

Straßenzeichen "Sackgasse" in Istanbul: "No more. Please pack up now."

Türschloss-Enteiser in Finnland: Super piss.

Japanisches öffentliches Bad: "Foreign guests are requested not to pull cock in tub."

Menü in Kambodscha: "Fried internal part of chicken with mushrooms and deep fried fist with vegetable."

Vietnam: "Pork with fresh garbage".

Kairo: "Cock in wine / Lioness cutlet".

In Russland, unter dem Bild eines Tanzabends: "Young men's balls in full swing."

Karten, verteilt vor einem Geschäft in Mexico: "Come to Juan's Jewelry shop. We won't screw you too much."

Japanische Waschmaschine: "Push button. Foam coming plenty. Big noise. Finish."

In einem finnischen Waschraum: "To stop the drip, turn cock to right."

21.6.08

 

 

Harlan Coben

Diesen Autoren muss man einfach lieben. Nicht nur spannende Geschichten, deren Rätsel sich erst ganz zum Schluss mit einer Überraschung auflöst, sondern auch dieser Stil! Unaufdringlicher Humor, witzige Dialoge, tolle Geschichten. Mit "unaufdringlichem Humor" meine ich, dass der Typ nicht immerzu mit angestrengten Witzen nervt. So etwas hatte ich nämlich auch schon. Cobens Humor scheint aus ihm selbst zu fließen, also Ausdruck der Persönlichkeit. Und ein Familienmensch ist das! So einen Verwandten hätte man gern. Ja, Lobhudelei. Aber ich kann nicht anders!

Ich hab die Bücher "Kein Sterbenswort", "Keine zweite Chance" und jetzt eben "Das Grab im Wald" gelesen, und mit Sicherheit kommen im Lauf der Zeit auch die übrigen dazu.

  29.5.08

 

Roslund und Hellström: Todesfalle

Ich möchte Euch hier ein Buch empfehlen, das wirklich zum Besten gehört, was man als "Thriller" überhaupt lesen kann.Nicht, weil es irgendwie besonders schrecklich ist. Es geht um einen lange zurückliegenden Mord an einer Sechzehnjährigen. Mehr wird nicht gemordet.Aber der junge Mann, der dafür in Ohio in die Todeszelle kommt, ist unschuldig. Eine kleine interne Widerstandgruppe bringt es fertig, dass er aus dem Todestrakt entkommt. (Und nicht dass Ihr glaubt, dies wäre nun eine langweilige Actiongeschichte!) Der junge Mann, John, gelangt nach Schweden. Dort heiratet er und bekommt einen Sohn. Nach sechs Jahren verliert er die Beherrschung in begeht eine Körperverletzung; so gerät er an die Polizei.Und nun wird seine wahre Identität aufgedeckt. Die Diplomaten machen sich daran, ihn ausliefern zu lassen. In Ohio soll die Todesstrafe nachgeholt werden.Das Buch ist vom Autorenteam Anders Roslund und Börge Hellström in einem seltsam eindringlichen Stil geschrieben, der durch lange Sätze und viele Kommas erreicht wird. Der Stil ist aber nicht maniriert, man kann das gut lesen. Das ist ein kluges, nachdenkliches Buch, fast schon philosophisch, es geht um Rache und Todesstrafe.


Das Ende hat man sich so auch nicht vorgestellt. Der Hintergrund der ganzen Sache wird erst auf den letzten Seiten klar.

Dies ist das dritte Buch von Roslund und Hellström. Die ersten beiden heißen "Die Bestie" und "Blasse Engel". Das wusste ich nicht, deshalb hab ich die Todesfalle gelesen, und da trifft man dann auf ein paar Leute, die es eben schon in den vorigen Büchern gab. Hat mich aber weiter nicht gestört. Man lernt sie schon kennen.

(Edit: Ich hab die beiden anderen Bücher später gelesen. Die Autoren steigern sich. "Die Bestie" ist nicht übel, "Blasse Engel" besser, und die Todesfalle dann der absolute Hammer.)

23.5.08

 

 

Andreas Franz: Der  Finger Gottes


Andreas Franz lese ich hauptsächlich deshalb, weil man ihn bei Buchticket gut los wird und weil er preiswert im Buchclub zu haben ist.

Seine Geschichten sind ja auch spannend. Was mich stört, ist der Stil.

Offenbar hat er keinen guten Lektor. Jeder, der auch nur mal ein Buch über Stilkunde durchgeblättert hat, weiß doch, dass man nicht Adjektiv auf Adjektiv häuft, bis sie sich gegenseitig erschlagen: "…eine knochige, hohlwangige, unrasierte, ungepflegte Gestalt.“ Besser wäre gewesen: "Eine knochige, hohlwangige Gestalt, unrasiert und ungepflegt.“

Schwer zu lesen fand ich auch diesen Satz: "Aber wem konnte er vertrauen, wer außer Maria Olsen, Engler, (auch wenn dieser es leugnete, er wusste, er musste einfach wissen, was vor sechs Jahren mit Alexander Höllerich geschehen war, und sei es nur aus den Berichten von Marie Olsen) und vielleicht sogar Reuter (dem Brackmann inzwischen alles zutraute) konnte mit dem Namen Höllerich etwas anfangen?“

Was ist denn das für ein Kohl?! Man kann doch den zweiten Satzteil nicht so weit nach hinten schieben, dass der Leser den Anfang vergessen hat, wenn er endlich bis dahin kommt.

Andreas Franz schreibt Labyrinthsätze, in denen so viele Informationen stecken, dass sie schwer zu erfassen sind.

Und die Vergangenheitsform von glimmen ist glomm, nicht glimmte!!

Aber die Geschichte ist gut! Es geht um einen kleinen Ort mit äußerst bigotten Einwohnern, der von einer reichen Familie abhängig ist. Diese Vandenbergs können sich so ziemlich alles erlauben, weil sie auch den Polizeichef in der Tasche haben. Erinnert manchmal etwas an den Wilden Westen. Ich selber bin in einer toleranten Großstadt aufgewachsen und kann mir nur schwer vorstellen, dass es eine "Kultur“ wie in Waldstein noch gibt, aber wer weiß, mag sein. Die Personen konnte ich mir gut merken, weil sie scharf gezeichnet sind. Sehr spannend war der Teil, wo ein Tornado die Stadt zerstört, und auch das illusionslose Ende fand ich gelungen – also eben nicht wie im Wilden Westen, wo der Held am Ende alle besiegt hat und die Braut heimführt.

 

  13.4.08

Joy Fielding: Am seidenen Faden

Joy Fielding ist immer gut für durchgelesene Nächte! Auch wenn die Romane schon zehn Jahre alt sind wie „Am seidenen Faden“ und nicht mehr die neuesten Bestseller.

Ich mochte den Stil sehr. Kate, eine Frau Ende vierzig mit beginnenden Wechseljahren, erzählt in munterem Geplauder über ihr Leben. Eine Mutter, die an Alzheimer erkrankt, ein rebellischer Teenager als Tochter, und eine… nun, unkonventionelle Schwester. Diese verliebt sich nämlich in das Foto eines Angeklagten, der vor Gericht steht. Leider ist das ein Serienmörder. Jeden Tag geht JoLynn ins Gericht, kokettiert mit ihm, und am Ende heiratet sie ihn im Gefängnis. Sie glaubt wirklich an seine Unschuld. Kate aber, die Erzählerin, sieht die Katastrophe kommen. Und obwohl die wirklich passiert, so doch erst ganz am Ende – trotzdem ist es keine Minute langweilig. Und wenn die Mutter nicht Alzheimer gehabt hätte, wäre alles noch viel schlimmer ausgegangen…

Über 400 Seiten hatte ich größtes Vergnügen, an der Geschichte und auch an der Art, wie sie präsentiert wird.

 

 13.4.08

 

Annika Bryn: Die sechste Nacht

Tja, ich war in den letzten Tagen nicht hier! Ich hab alles mögliche andere gemacht, auch viel gelesen. Zum Beispiel den Schwedenkrimi "Die sechste Nacht".

Normalerweise mag ich Geschichten nicht, die sich mit Organisationen und Infiltration und solchen Dingen beschäftigen. Vielleicht, weil die häufig von Männern geschrieben wurden und mir etwas "seelenlos“ erschienen.

Dieses Buch hier ist ganz anders. Es ist wirklich spannend und es menschelt auch genug. Während seine Frau und seine kleine Tochter zum Camping fahren, wird der Rechtsanwalt John Danielsson von Neonazis entführt. Er fürchtet um sein Leben und weiß natürlich nicht, dass einer dieser Nazis ein eingeschleuster Polizist ist.

Eigentlich wollen die Entführer gar nicht ihn, sondern Johns Frau, Sie wollen den Aufenthalt der Frau aus John herauspressen, weil sie im Besitz eines Schriftstücks ist, das sie unbedingt brauchen.

Aber sie hat gar keine Ahnung davon; jemand gab ihr vor kurzem einen Umschlag, den sie achtlos ungeöffnet ganz hoch oben auf ihren Aktenschrank legte, und dort suchten die Einbrecher nicht, die nächtens ihr Büro auf den Kopf stellten.

Nun wissen Frau und Tochte erst einmal gar nicht, dass sie von Mördern verfolgt werden. Als sie es aber merken, wird es spannend. Da sie von der Außenwelt abgeschnitten sind, ahnen sie auch gar nicht, dass ihr Vater bzw. Ehemann entführt wurde.

Ganz am Schluss gibt es noch ein Überraschungs-Knall, mit dem ich nun jedenfalls gar nicht gerechnet habe!

Auf dem Buchrücken steht, dass Annika Bryn mit großen Krimi-Autoren wie Henning Mankell und Liza Marklund verglichen wird und dass sich dieser preisgekrönte Debütroman so flüssig, glaubwürdig und spannend liest wie das Werk eines alten Schreib-Fuchses.

Kann ich nur bestätigen.

 

13.4.08

 

 

 

James Patterson: Im Affekt

Hab gestern Nacht bis um halb drei gelesen. Mein LG musste außer der Reihe einen Nachtdienst machen, und ich mag das nicht, wenn er nicht da ist, da kann ich eh nicht richtig schlafen - und heute werde ich das Buch wohl beenden. "Im Affekt" von James Patterson - absolute Sahne!

Allerdings, es hat 330 Seiten, die äußerst platzverschwendend bedruckt sind. Fast für jeden Absatz ein neues Kapitel... nee, das ist übertrieben, aber es sind ziemlich viele leere Seiten dazwischen, weil die Kapitel (117 insgesamt) immer auf einer neuen Seite anfangen.

Aber die Geschichte ist super: Die Polizistin Lauren betrügt ihren Mann aus Wut darüber, dass er sie betrogen hat, und als ihr Liebhaber das Haus verlässt, sieht sie durchs Fenster, wie ihr Mann ihn auf der Straße totschlägt. Ausgerechnet diesen Fall soll sie lösen. Stattdessen tut sie alles, um Paul   zu schützen und fälscht Beweise auf Teufel komm 'raus. Das zerrt an ihren Nerven, wie man sich denken kann, und im Laufe der Ermittlungen entdeckt Lauren immer mehr über ihren Mann - und dass sie sehr vieles über ihn nicht wusste. Immer, wenn sie meint, dass der Fall nun ruht, passiert etwas Neues. Die arme Frau fällt von einem Schock in den anderen. Lebensgefährlich wird die Geschichte, weil der Mord am Liebhaber einem Kriminellen in die Schuhe geschoben wird, und die Unterwelt lässt sich ja nun auch nicht alles gefallen.

16.3.08




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